„Ein durchschnittlicher Pkw-Sachschaden kostet die Versicherer inzwischen rund 4.600 Euro – etwa 70 Prozent mehr als 2017. Die stark gestiegenen Werkstatt- und Ersatzteilpreise treiben die Schadenaufwendungen weiter nach oben, die deutlich schneller als die Beitragseinnahmen wachsen“, so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen über die Situation der Versicherer. Ein wesentlicher Kostentreiber sind laut Asmussen die steigenden Reparaturpreise: Zwischen 2017 und 2025 hätten sich die Werkstattstundenpreise um 62 Prozent verteuert. Auch die Ersatzteilpreise stiegen im gleichen Zeitraum um insgesamt rund 60 Prozent. Zum Vergleich führt der GDV auf, dass die allgemeinen Verbraucherpreise sich in diesen acht Jahren um 26 Prozent erhöht hätten. Besonders hoch seien die Stundensätze bei Elektroautos, die teilweise in spezialisierten Werkstätten repariert werden müssten. Im vergangenen Jahr lagen sie im Durchschnitt etwa 15 Prozent über denen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
Auch der durchschnittliche Preiszuwachs bei Ersatzteilen bereitet den Versicherern Probleme. Der GDV hat sich die Preisentwicklung von 20 verschiedenen Ersatzteilen angeschaut und identifiziert, dass bei allen die jährliche Preisentwicklung im Zehnjahrestrend über der Inflationsrate lag. “Während die Inflationsrate in den vergangenen 10 Jahren im Durchschnitt bei 2,8 Prozent pro Jahr lag, haben Ersatzteilpreise mit durchschnittlich 5,9 Prozent pro Jahr etwa doppelt so stark zugelegt”, so Asmussen. Die Kosten stiegen nach GDV-Angaben teilweise so stark, dass die Schäden die Beitragseinnahmen überstiegen. Ein Grund für die hohen Ersatzteilpreise sei der sogenannte “Designschutz” der Autohersteller. Er umfasst nicht nur das Fahrzeug selbst, sondern derzeit auch sichtbare Ersatzteile wie Türen, Kotflügel oder Außenspiegel. Wer ein entsprechendes Ersatzteil braucht, muss dieses häufig direkt vom Hersteller kaufen, so wird der Wettbewerb nach Ansicht des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. weitgehend ausgeschlossen. Eine geplante Reform des Designrechts, die eine EU-Richtlinie in nationales Recht umsetzen wird, soll den Wettbewerb künftig stärken.
Steigende Reparaturkosten und Versicherungsbeiträge sind vor allem für Verbraucherinnen und Verbraucher ein Ärgernis, erklärten ZKF-Präsident Arndt Hürter und Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm gegenüber Automotive Insights. Allerdings sei es ungerechtfertigt, dass dafür Werkstätten verantwortlich gemacht würden. Der Kostendruck ist laut den Verantwortlichen des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugtechnik e.V. so enorm, dass Preisanpassungen notwendig seien. Im Hinblick auf steigende Ersatzteilpreise nehmen auch Hürter und Aukamm das Thema "Design- und Markenschutz der Autohersteller" in den Blick. So konkretisiert Arndt Hürter, dass gerade OEM-Ersatzteilpreise die Schadenskosten der Versicherer ansteigen ließen, wodurch diese dazu animiert würden, am Verrechnungsstundensatz in deren Werkstattnetz zu sparen. Eine kooperative sowie faire Zusammenarbeit zwischen Versicherern, Schadensteuerern und der Werkstatt müsse auf einem stärkeren beiderseitigen Vertrauen aufbauen. „Nicht nachvollziehbare Rechnungskürzungen, fehlende Reparaturfreigaben und ausstehende Zahlungen zermürben die Werkstätten und verursachen gesteigerte administrative Prozesse, die keine Wertschöpfung bringen, sondern nur weitere Kosten und Aufwand verursachen”, so Hürter im Interview mit Automotive Insights.