Der Plan von e-Revolt sieht vor, Benziner über Partnerwerkstätten mit einem Umrüst-Kit zu elektrifizieren und ihnen so ein Leben nach dem eigentlichen Tod zu ermöglichen – und damit, neben dem reduzierten CO2-Fußabdruck durch den Elektroantrieb, für eine nachhaltige (Weiter-)Verwendung bereits bestehender, noch funktionierender Bauteile zu sorgen. Das Unternehmen sagt, Pkw könnten mit der patentierten Technologie „innerhalb eines Tages in digitale, upgradebare Elektrofahrzeuge umgerüstet werden.“ Noch ist man auf der Suche nach Unterstützern für die "enkelfähige Mobilität", wie Schollenberger es im Vorgespräch formulierte, doch in unserem Interview zeigt er sich optimistisch, dass die Serienproduktion schon bald starten kann.
Herr Schollenberger, welche Personen, welche Überlegungen und welche Ziele stecken hinter e-Revolt?
Ralf Schollenberger: Seit Jahren beschäftige ich mich mit dem Gebrauchtwagenmarkt – mit Reparaturanfälligkeit, Restwerten und der Frage, warum ein voll funktionsfähiges Auto plötzlich nur noch einen Bruchteil seines Werts hat. In meiner Zeit als Geschäftsführer bei Allianz-Töchtern, zuletzt für Fahrzeug-Garantien, habe ich das System aus nächster Nähe kennengelernt. Die Idee für e-Revolt kam mir, als ich meinen Stuttgarter SUV verkaufen musste. Technisch einwandfrei, doch Reparaturen an Abgassystem und Sensorik waren schlicht zu teuer. Am Ende fand ich nur einen Käufer, nachdem ich den Preis um 5.000 Euro gesenkt hatte. Dabei stellt sich eine simple Frage: Würden wir ein Haus abreißen, nur weil die Küche kaputt ist? Nicht jeder kann oder will sich ein Neufahrzeug für 30.000+ Euro leisten. Fahranfänger, Cabrio-Liebhaber oder Menschen, die ihr Auto einfach weiterfahren möchten, stehen oft ohne Alternative da. Genau hier setzt e-Revolt an: Wir geben gut erhaltenen Qualitätsfahrzeugen ein zweites, emissionsfreies Leben – nachhaltig und bezahlbar. Um das zu ermöglichen, habe ich ein Team aus Experten zusammengestellt: Ingenieure für Fahrzeugsicherheit, Luft- und Raumfahrt, Ex-OEM-Entwickler, Spezialisten für Kreislaufwirtschaft, Versicherungen und den Aftermarket. Eine einzigartige Kombination aus Fachwissen, Innovationsgeist und dem gemeinsamen Ziel, Teil der Lösung zu sein.
Sie sagen, das erste umrüstbare Modell wird der Volkswagen Golf 7 sein. Wann wird das der Fall sein? Und wo stehen Sie mit der Umsetzung Ihrer unternehmerischen Ziele?
Ralf Schollenberger: Wir planen, noch in 2025 die ersten zwölf VW Golf 7 umzurüsten. Die dafür notwendigen Verträge sind bereits unterzeichnet. In der Umsetzung unserer Ziele liegen wir sogar vor dem ursprünglichen Zeitplan – nicht zuletzt dank der starken Unterstützung von Zulieferern, Ex-OEM-Managern und Partnern wie AutoScout24, TÜV, Dekra und Real Garant Versicherung. Was jetzt noch fehlt, ist das nötige Startkapital, um die Serienumrüstung in Gang zu bringen.
Wie schwierig gestaltet sich die Suche nach Investoren?
Ralf Schollenberger: Die Suche nach Investoren gestaltet sich in Deutschland deutlich schwieriger als in den USA, Asien oder dem Nahen Osten. Unser Ziel ist es, unsere Lösung und Patente in Deutschland zu halten. Drei Faktoren haben die Kapitalbeschaffung zuletzt erschwert: die politische Unsicherheit durch die anstehenden Neuwahlen, die geopolitische Lage mit weltweiten Konflikten und die Transformation der Automobilbranche. Unser Geschäftsmodell erfordert zu Beginn ein höheres Investment, um Skalierungsvorteile wie Einkaufskonditionen, Zulassungsverfahren und Standardisierung sicherzustellen. Gleichzeitig sind viele Anleger aktuell zurückhaltend oder investieren verstärkt in Rüstung, Pharma und KI. Dennoch sind wir überzeugt, dass wir einen Investor finden, der – genau wie wir – an eine emissionsfreie und nachhaltige Mobilität glaubt. Eine Lösung, die nicht nur erschwinglich ist, sondern auch die vorhandene Infrastruktur der Fachbetriebe in Deutschland und der EU nutzt, um möglichst viele der über 250 Millionen Verbrenner rasch umzurüsten.
Sie kündigen auf Ihrer Internet-Seite eine Suchfunktion für Partnerwerkstätten an. Wann wird die kommen?
Ralf Schollenberger: Wir sind bereits in Verhandlungen mit interessierten Fachbetrieben und haben eine Absichtserklärung mit einer Werkstattkette unterzeichnet, die bundesweit über 300 Standorte umfasst. Zudem erhalten wir regelmäßig Anfragen – auch aus dem Ausland. Jede potenzielle Partnerwerkstatt wird geprüft, dokumentiert und für den Start vorgemerkt. Die Suchfunktion für Partnerwerkstätten wird freigeschaltet, sobald wir die Kapitalrunde abgeschlossen und mit der Serienumrüstung begonnen haben. Bis dahin bauen wir unser Netzwerk weiter aus.
Welche Voraussetzung braucht eine Werkstatt, um für eine Zusammenarbeit mit e-Revolt in Frage zu kommen?
Ralf Schollenberger: Viele Fachbetriebe wurden von der E-Mobilitätsstrategie der großen Hersteller außen vorgelassen. Wir setzen bewusst auf sie und werden keine eigenen Werkstätten betreiben – denn Deutschland hat hervorragende Fachbetriebe, die Teil der Mobilitätswende sein können. Sobald der Serienbetrieb startet, können sich interessierte Werkstätten über unsere Plattform bewerben. Voraussetzung sind gesetzlich vorgeschriebene HV-Unterweisungen und ein Kfz-Meisterbrief. Nach erfolgreicher Prüfung erfolgt eine 2½-tägige Schulung bei einer der großen Sachverständigen-Organisationen. Mit dem Abschlusszertifikat können Betriebe offiziell an unserem Umrüst-Programm teilnehmen.
Ist Ihre Lösung auch für (erfahrene) Hobby-Bastler verbaubar?
Ralf Schollenberger: Grundsätzlich ist der Einbau des Umrüst-Kits auch für erfahrene Schrauber möglich. Allerdings empfehlen wir ausdrücklich die Installation durch Fachbetriebe. Nur so lassen sich alle Vorteile unserer Lösung nutzen – darunter das vereinfachte Zulassungsverfahren, eine zweijährige Garantie auf das gesamte Fahrzeug und bestimmte digitale Services. Deshalb arbeiten wir mit qualifizierten Partnerwerkstätten zusammen, die für den sicheren und fachgerechten Einbau geschult sind. Das Umrüst-Kit wird über unsere Verkaufsplattform erhältlich sein, aber wir setzen klar auf den professionellen Einbau durch Experten.
Welche Bauteile braucht man genau? Inwiefern müssen die an die jeweiligen Modelle angepasst werden?
Ralf Schollenberger: Bei der Umrüstung werden Motor, Tank, Abgasstrang und Klimakompressor ersetzt – letzterer durch einen Hochvolt-Kompressor. Das Herzstück unserer Lösung ist ein patentierter Rahmen, in den der E-Motor und alle Hochvolt-Komponenten bereits vormontiert sind. Dieser Rahmen nutzt die originalen Motoraufhängungen und ermöglicht so eine einfache Installation. Unser erstes Rahmensystem wurde speziell für die MQB-I-Plattform der VW AG entwickelt, wodurch wir über 30 Modelle von VW, Seat, Škoda und Audi mit nur wenigen, kleinen Anpassungen umrüsten können. Deutlich komplexer ist die Anpassung der Steuergeräte. Unser zweites Patent – das eCAN-Modul – ist ein zentrales Steuergerät, das vereinfacht gesagt die Sprache des Verbrenners in die eines E-Autos übersetzt. Da es selbst innerhalb der MQB-Plattform modellabhängige Unterschiede gibt, können wir mit dem eCAN-Modul die Kernfunktion auch für ganz andere Fahrzeuge nutzen. Dafür müssen „nur“ die jeweiligen Übersetzungen/Adapter entwickelt und getestet werden. Hier setzen wir auf moderne IT-Lösungen und die Expertise unserer Partner, die seit Jahrzehnten in diesem Bereich tätig sind. Unser Ziel ist es, alle Assistenzsysteme vollständig funktionsfähig zu erhalten – beim Golf 7 haben wir das bereits erfolgreich umgesetzt. Für die Batterie haben wir gemeinsam mit unserem Lieferanten eine Unterboden-Lösung entwickelt. Diese ermöglicht nicht nur eine optimale Gewichtsverteilung, sondern erleichtert auch spätere Reparaturen oder einen nachhaltigen Austausch – ein klarer Vorteil gegenüber vielen Neuwagen.
Hat der Kunde Wahlmöglichkeiten, was die Leistung des Motors oder die Kapazität der Batterie betrifft?
Ralf Schollenberger: Die grundlegenden Fahreigenschaften des Fahrzeugs – darunter Lastverteilung, Gewicht und Leistung – bleiben nach der Umrüstung weitgehend erhalten. Konkret bedeutet das: Ein Fahrzeug mit 100 kW bleibt auch mit dem E-Motor bei 100 kW. Zur Skalierung setzen wir auf einen Motor, der elektronisch abgeregelt werden kann und somit verschiedene Leistungsstufen ermöglicht. Bei der Batterie gibt es mehr Flexibilität. Zwei Modelle stehen zur Auswahl, beide mit bidirektionalem Laden und Schnellladefunktion. Wer eine höhere Kapazität wünscht, kann diese gegen Aufpreis bestellen.
Wo und von wem werden Ihre Bauteile hergestellt?
Ralf Schollenberger: Für die Zusammenstellung unseres Umrüst-Kits haben wir bewusst auf ausgereifte, bewährte Bauteile von renommierten Zulieferern und OEMs zurückgegriffen – quasi „Qualität von der Stange“. Dieser Ansatz bietet drei wesentliche Vorteile: Zum einen eine schnellere Skalierung, da wir rasch auf verfügbare Komponenten zugreifen können, zum anderen Kostenvorteile, da wir durch die Nutzung bewährter Bauteile von Preisvorteilen profitieren, und zu guter Letzt ein effizienter Zulassungsprozess, da standardisierte Bauteile die Zulassung und Genehmigung vereinfachen.