Mehr als 1.000 Fahrerinnen und Fahrer vollelektrischer Autos hat Uscale im Januar 2025 für seine jüngste Studie zu ihrem Kaufverhalten bei Reifen befragt. Nach Angaben der Autoren handelte es sich dabei sowohl um Innovatoren – also Personen, die bereits frühzeitig auf Stromer umgestiegen sind – als auch um Early Adopter, die die E-Mobilität erst kürzlich für sich entdeckt haben. Entsprechend lag die Fahrzeug-Haltedauer der Befragten bei durchschnittlich 2,5 Jahren. Zum Vergleich wurden auch gut 500 Fahrerinnen und Fahrer von Verbrennermodellen befragt.
EV-Fahrende legen Wert auf andere Reifeneigenschaften
Erste Unterscheide zeigen sich dabei bereits mit Blick auf die Notwendigkeit eines Reifenwechsels und die entsprechende Zufriedenheit mit den montierten Profilen: Laut der Uscale-Studie fahren 90 Prozent der Verbrenner-Besitzenden mit einer Fahrleistung von unter 20.000 Kilometern noch die OE-Bereifung, während ein Fünftel (21 Prozent) der EV-Fahrenden bereits einen Wechsel hinter sich hat. Dieses Verhältnis bleibt mit zunehmender Fahrdistanz konstant. Im Bereich von 40.000 bis 60.000 Kilometer halten sich OE- und Nachrüstreifen bei den Stromern nahezu die Waage, während immer noch 60 Prozent der Verbrennerfahrzeuge mit den ab Werk montierten Reifen unterwegs sind. Den daraus vereinfachend abgeleiteten höheren Reifenverschleiß von E-Autos haben wir in einem längeren Beitrag ausführlich thematisiert und dabei auch den jeweiligen Fahrstil als relevanten Faktor beleuchtet.
Steht in der Gruppe der E-Auto-Besitzerinnen und -Besitzer ein Reifenwechsel an, wissen nach eigenen Angaben drei Viertel der Befragten, dass es spezielle EV-Profile gibt. Allerdings achten nur 42 Prozent beim Reifenkauf tatsächlich auf eine entsprechende Ausrichtung. Gegenüber den Befragten aus dem Verbrennerbereich wurden als wesentliche Eigenschaften der Reifen zudem nicht das witterungsbedingte Leistungsvermögen genannt, sondern Aspekte wie Verbrauch, Laufruhe und Verschleiß.
Mit Blick auf diese Werte und die überwiegend generalistischen Ansätze der Reifenhersteller – und der Positionierung des gesamten Portfolios als „EV-ready” – konstatieren die Uscale-Studienautoren: „Während die Reifenbranche bei der Entwicklung und Vermarktung spezieller EV-Reifen zögert, zeigt sich auf Nutzerseite ein deutliches Interesse – und damit ungenutztes Potenzial.”
Gezieltere Adressierung kann sich lohnen
Ein ähnliches Bild ergibt sich auch hinsichtlich der Beratung. EV-Fahrende nutzen für die Reifenwahl die gleichen Informationsquellen wie Verbrennerfahrende, sind mit diesen jedoch nur bedingt zufrieden: Weniger als die Hälfte der EV-Befragten fühlt sich im Kaufprozess gut über EV-Reifen informiert. Dennoch ist ein Großteil dieser Gruppe bereit, beim nächsten Kauf (wieder) spezielle EV-Reifen zu kaufen. Für Dr. Axel Sprenger, Gründer und Geschäftsführer der Uscale GmbH, steht angesichts dieser Ergebnisse fest: „Die Reifenbranche geht bislang davon aus, dass spezielle Reifen für Elektroautos nicht notwendig sind. Technisch mag das stimmen. Doch aus Vermarktungssicht übersieht die Branche die Chancen: E-Auto-Fahrer setzen andere Prioritäten als Verbrennerfahrer. Für Hersteller und Händler lohnt es sich also, die zahlungskräftige Gruppe der Elektroautofahrer genauer in den Blick zu nehmen.“