Essen Motor Show 2024

Der Pott ist Tuning-Hotspot

Essen Motor Show 2024Die Essen Motor Show ist immer ein grelles Spektakel der Automobilkunst.   Foto: Kay Lehmkuhl

Von Kay Lehmkuhl und Daniel Lorenz

Die Essen Motor Show ist der jährliche Hotspot der nationalen Tuning-Szene. Das belegen erneut die von der Messegesellschaft herausgegebenen Besucherzahlen zur 56. Ausgabe. Über 200.000 Besucher pilgerten an den zehn Messetagen in die Hallen. Das Niveau der Vorjahresausgabe wurde damit erreicht. In gleicher Linie auch das Programm: 500 Aussteller zeigten sportliche Serienfahrzeuge, liebevoll veredelte Klassiker, Brachiales sowie Zubehör und Lifestyle-Produkte. „Die Essen Motor Show hat gezeigt, wie sehr die Unternehmen und das Publikum diese Plattform feiern und schätzen. Die Resonanz war wirklich überragend – und das in politisch und wirtschaftlich herausfordernden Zeiten“, resümiert Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer der Messe Essen. Auch Harald Schmidtke, Geschäftsführer im Verband der Automobil Tuner (VDAT), erlebte gelungene Messetage: „Die Besucherzahl und die Stimmung haben auch bei der EMS 2024 bewiesen, dass das Interesse an Automobilen allgemein und insbesondere an Individualisierungsmöglichkeiten von Fahrzeugen ungebrochen ist.”

VDAT-Geschäftsführer Harald Schmidtke
Zwei Institutionen der Essen Motor Show: Das Kampagnenfahrzeug der Initiative Tune it! Safe! und VDAT-Geschäftsführer Harald Schmidtke, der im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen wird. Foto: Daniel Lorenz

Mit BYD, Nio und Škoda sowie Continental und Hankook buchten mehrere Auto- und Reifenhersteller Messepräsenzen. Den ersten direkten Kontakt zur Tuning-Klientel suchten Dickie Spielzeug, Ebay Motors und Lego. Die Messeleitung bilanziert: „Laut Vorab-Auswertung waren rund 90 Prozent der Aussteller mit ihrem geschäftlichen Erfolg auf der Essen Motor Show sehr zufrieden oder zufrieden – ein leichter Anstieg im Vergleich zum vergangenen Jahr. Dementsprechend wissen 93 Prozent der teilnehmenden Unternehmen bereits jetzt, dass sie auch im kommenden Jahr in Essen dabei sein wollen.” Unsere Gespräche vor Ort hinterließen ein größtenteils ähnliches Bild in der Redaktion. Besonders die Räderhersteller bestätigten, auf der Plattform Essen Motor Show eine relevante Kundengruppe adressieren zu können. Etwas weniger überschwänglich fiel das Fazit der Gespräche mit Reifenfirmen aus. Über Partnerschaften mit Edeltunern wie Brabus positionieren sich Continental und Hankook im Markt. Zur Wahrheit gehört, dass die Reifenindustrie die Essen Motor Show noch vor Jahren höher rankte und in größerer Zahl im Ausstellerverzeichnis erschien. Gut vertreten waren auch 2024 die Felgen-, Fahrwerks- und Komponentenhersteller. 

Hankook Sales Director Claus Gömmel
Hankook-Sales-Director Claus Gömmel posiert vor der exklusiven 24-Zoll-Größe des Ventus S1 evo Z. Foto: Kay Lehmkuhl

Kampagnenpartner Hankook

Ein Plädoyer für „sicheres Tuning” war auf der Essen Motor Show erneut wieder die Vorstellung des Fahrzeugs der Tune it! Safe!-Kampagne. Die Initiative von Hankook, dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) und dem Verband der Automobil Tuner (VDAT) will zeigen, dass kreatives Tuning mit den gesetzlichen Vorgaben keinesfalls in Widerspruch stehen muss. „Der BMW M2 by AC Schnitzer als nunmehr 20. Kampagnenfahrzeug zeigt einmal mehr auf eindrucksvolle und spektakuläre Weise auf, wie cool sicheres und regelkonformes Tuning sein kann“, so Roland Hehner, Direktor Vertrieb Deutschland Mitte und Leiter Produkt & Tuning bei Hankook Reifen Deutschland. Das vom Aachener Tuning-Spezialisten AC Schnitzer fahrdynamisch und optisch veredelte 560 PS starke Coupé rollt auf dem UHP-Profil Ventus S1 evo 3 des koreanischen Reifenherstellers durch das kommende Jahr. 

Hankook legte unter den in Essen vertretenen Reifenherstellern erneut den auffälligsten Auftritt hin. Nicht nur über das Kampagnenfahrzeug suchte das Europa-Team der koreanischen Marke die Nähe zu Tuning-Fans. Am Messestand von Hankook konnten sich die Besucher einen Eindruck vom Produktspektrum machen. Mit dem Ventus S1 evo Z liefert der Reifenhersteller ein Profil in exklusiver Größe für den Tuner Brabus. Im Umfeld der Messe gaben die Verantwortlichen außerdem die Einführung des neuen Sommerreifens Ventus evo bekannt. Die KI-basierte Reifenentwicklung soll einen neuen „Industriestandard” in Bezug auf Nassgrip, Rollwiderstand sowie Laufleistung setzen, so die selbstbewusste Ankündigung. Mit Start der kommenden Sommersaison sind der neue Ventus evo und der Ventus evo SUV in 58 Größen verfügbar. Final soll das Line-up 94 Größen von 17 bis 23 Zoll umfassen. 

Berlin Tires EMS 2024
Geballte Team-Power am Stand von Berlin Tires. Foto: Daniel Lorenz

Berlin Tires verkündet 34-prozentiges Umsatzwachstum

Die Berlin Tires Europe GmbH nutzte das Tuning-Event zur Präsentation ihrer Produktneuheiten aus dem Reifen- und Räderbereich. „Die Essen Motor Show ist die perfekte Bühne, um mit unseren Fans und Kunden in direkten Kontakt zu treten. Hier können wir ihre echten Reaktionen unmittelbar wahrnehmen. Mit diesem Wissen haben wir monatelang intensiv gearbeitet, um bestens vorbereitet zu sein“, so Emre Karaguelle. Der Marketingdirektor betonte gegenüber der Redaktion von Automotive Insights die Wirkkraft der digitalen Strategie und der Werbe- und Sponsoring-Maßnahmen des Unternehmens: „Unser Marketingteam hat maßgeblich zum Erfolg beigetragen. Das Markenbewusstsein hat deutlich zugenommen und der Umsatz ist in den letzten zwei Jahren um 34 Prozent gestiegen. In diesem Jahr hat unser Sponsoring von Mainz 05 unsere Markenbekanntheit erheblich gesteigert. Die Partnerschaft war so erfolgreich, dass wir eine Ausweitung auf Frankreich in Betracht ziehen, da 25 Prozent unseres Umsatzes aus diesem Markt stammen“ Dem starken Felgen-Fokus auf der Essen Motor Show wurden Berlin Tires durch die Vorstellung neuer Designs für das Jahr 2025 gerecht. Erol Güngör, Produktmanager hierzu: „Wir präsentieren unsere neueste Innovation, die KTX1, die speziell für Fahrzeuge der oberen Mittelklasse entwickelt wurde. Es ist ein einzigartiges Produkt und um dies hervorzuheben, zeigen wir sie auf einer von Brabus designten Mercedes S-Klasse. Der Verkauf der KTX1 startet im April.

Strategischer Zusammenschluss

Die G.M.P. Group und die Reedijk Wheels and Tyres Group gaben zur Essen Motor Show ihren strategischen Zusammenschluss bekannt. Die beiden Unternehmen wollen ihre Marktposition in der Herstellung und im Vertrieb von Leichtmetall- und Kompletträdern für den europäischen Aftermarket stärken. Die Rädermarke Antera spielt eine zentrale Rolle in der künftigen Marktbearbeitung. Die italienische G.M.P. Group, die 78 Prozent der Anteile an der neuen Gesellschaft hält, setzt ihren Internationalisierungsprozess fort, der mit dem Einstieg von Eulero Capital und seinen Anteilseignern Ende 2023 als strategisches Geschäftsziel festgelegt wurde. Marco Mancin, Managing Director der G.M.P. Group, erläutert anlässlich der Bekanntgabe: „Dank dieser innovativen und in der Branche einzigartigen Transaktion realisiert unsere Gruppe strategische Ziele, die Teil der Unternehmensmission und des strategischen Wachstumsprozesses sind, insbesondere dank der Beteiligung von Eulero Capital am Aktienkapital. Mit der Reedijk Wheels and Tyres Group wissen wir einen synergetischen operativen Partner auf den für uns wichtigen Märkten an unserer Seite, der auch direkter und unmittelbarer auf die Bedürfnisse der Endkunden in Bezug auf erwartete Services und innovative Produkte eingeht, auch mit der Wiedereinführung und Konsolidierung unserer Marke Antera.“ 

Gewe-Geschäftsführer Achim Becker
Stammgast auf der Essen Motor Show: Gewe-Geschäftsführer Achim Becker zeigte die Tec-Speedwheels-Neuheiten. Foto: Kay Lehmkuhl

Vertraute Anlaufstelle war auf der Essen Motor Show erneut die Gewe Räder- und Reifengroßhandel GmbH. Die Mannschaft des Pfälzer Unternehmens zeigte unter anderem ihre Räder Highlights für die Saison 2025. “Unsere neue GT9 der Shadow Edition komplettiert das Tec-Speedwheels-Räderprogramm perfekt und schafft so weitere Synergieeffekte und Mehrwert für unsere Kunden und Verbraucher", warb Geschäftsführer Achim Becker. Mit hohen Radlasten bis zu 1.050 Kilogramm in den Größen von 19 bis 21 Zoll passt das GT9-Rad auf nahezu alle gängigen Fahrzeuge. Zur Markteinführung im Frühjahr 2025 wird die GT9 in den zwei Farbausführungen „schwarz glanz frontpoliert" und "schwarz matt frontpoliert" mit ABE angeboten.

Borbet-Marketingleiterin Alexandra Marowsky
Borbet-Marketingleiterin Alexandra Marowsky erläuterte der Redaktion anhand des XV-Rades die Möglichkeiten der neuen Hotstamp-Technologie. Foto: Daniel Lorenz

Und auch Borbet schmiss sich in Schale – unter anderem mit dem Design TF als erstem 24-Zoll-Rad aus der eigenen Fertigung. Die Typenbezeichnung steht für „twenty four“. Laut den Verantwortlichen garantiert das Undercut-Verfahren Gewichtseinsparungen bei präziser Formgebung und ermöglicht ein Radgewicht von nur 20,4 Kilogramm. Mit einer Radlast von bis zu 1.050 Kilogramm soll die neue Borbet TF ein Aufhübscher auch für SUV sein. Ein weiteres Highlight bekamen die Besucher des Messestandes in Form der Studie Borbet XV zu sehen. Laut Hersteller setzt diese mit der Hotstamp-Technologie neue Reize in der Oberflächenveredelung. Marketingleiterin Alexandra Marowsky erläuterte der Redaktion auch die Heißprägetechnologie Performance+. Mit dieser lassen sich individuelle Designs kreieren – von dynamischen Farbverläufen bis hin zu gestochen scharfen Dekoren in Fotoqualität.

Wie im Vorjahr waren auch 2024 Fahrwerksspezialisten wie Eibach, ThyssenKrupp Bilstein und H&R auf der EMS vertreten. Während bei Eibach die neue Gewindefeder-Serie SportlinePlus im Mittelpunkt stand, machte H&R mit einem umgerüsteten BMW M5 auf sich aufmerksam. Nicht nur Fahrwerke und Federn sondern auch Räder der Marke BBS waren derweil am Stand der KW automotive Group zu sehen – auch wenn die Fahrwerkmarken KW suspensions, Reiger Suspension und ST suspensions klar im Fokus standen. Die im vergangenen Jahr im Rahmen der EMS verkündete Partnerschaft mit Lamborghini Squadra Corse wurde am KW-Stand erneut gespielt. Den der Marke BBS zugewiesenen Bereich wiederum dominierte ein Audi S5 Avant (B10), an dem BBS CH-R II-Räder in 20 Zoll sowie BBS CI-R Unlimited-Räder in 21 Zoll montiert waren. 

H&R Kerl
Eine echte Messe-Weltpremiere feierte der neue BMW M5 mit Tieferlegungsfedern aus dem Hause H&R. Foto: Kay Lehmkuhl

Einen Ausblick auf sein künftiges Räderprogramm gab bei seinem „Heimspiel” auch der Essener Felgenhersteller Tomason. Neben den wintertauglichen Designs TN30 und TN31 sowie dem Modell TN Offroad II nutzte das Unternehmen die Messe für die Vorstellung seiner neuen Marke VPX. Dabei handelt es sich um Rennsporträder, die gemeinsam mit den BMW-Spezialisten von Versus Performance entwickelt und vermarktet werden. Diewe Wheels wiederum informierte nicht nur über Neuheiten in eigener Sache, sondern hatte in seiner Funktion als B2B-Vertriebspartner darüber hinaus auch Felgenmodelle italienischer Marken wie Antera oder Etabeta im Messegepäck. Neues gab es für EMS-Besucherinnen und -Besucher auch bei der AD Vimotion GmbH zu entdecken. Der Felgenhersteller, der seit wenigen Wochen von dem Vater-Tochter-Duo Sabrina Celine Bekat und Arif Oliver Bekat geführt wird, zeigte in Essen etwa das neue Carmani-Rad Max sowie die Oxigin Oxheat. 

Im Umfeld der Essen Motor Show kündigten auch die Verantwortlichen von Alcar ein Portfolio-Update an. Das Team um Marketingchef Hieronymus Tupay zeigte der Fachpresse zwei Newcomer sowie einen “Schwergewichts-Meister” in neuem Farbton: Die AEZ Toronto soll das Y-Speichendesign neu erfinden, die Dotz Sonoma durch Gewichtseinsparungen mehr Fahrdynamik möglich machen und mit der Dezent KG in silberner Anmutungen will Alcar nun auch schwere Pkw-Modelle sportlich-edel inszenieren. Im Konferenzareal der Messe Essen berichtete das Alcar-Team überdies zum intensivierten Entwicklungsfokus auf Stahlfelgen und das RDKS-Geschäft. 

Alcar_Hiero_Sven Müller
Hieronymus Tupay und Sven Müller von Alcar. Foto: Kay Lehmkuhl

Mit Abschluss der Essen Motor Show 2024 kündigt die Messegesellschaft bereits den Startschuss der Planungen für die nächste Ausgabe an. Vom 29. November bis 7. Dezember 2025 soll der Pott seinen Status als Tuning-Hotspot erneut untermauern. 

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