BRV bilanziert das Jahr 2024

Nicht-filialisierte Betriebe liegen mit 4,6 Prozent Umsatzrendite weit über Branchendurchschnitt

Michael Schwämmlein_BRV_webMichael Schwämmlein, Geschäftsführer Technik beim BRV, ordnet die Zahlen des deutschen Reifenfachhandels ein.   Foto: Daniel Lorenz

Knapp 47,5 Millionen Pkw-, Transporter- und Lkw-Reifen wurden laut dem Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. im Jahr 2024 im Reifenersatzgeschäft in Deutschland verkauft. Damit bilanziert der Branchenverband auf Basis seines Betriebsvergleichs im Durchschnitt aller Produktgruppen ein Plus von gut 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und hinsichtlich der qualitativen Geschäftsentwicklung zeigt sich die Branche mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden. „Trotz deutlicher Personalkostensteigerungen sehen wir zum Jahresende über alle Reifenfachhandelsbetriebe auch bei Umsatz und Ertrag eine positive Entwicklung gegenüber Vorjahr“, sagt Michael Schwämmlein, Geschäftsführer Technik beim BRV. Im Schnitt resümiert der Verband für seine Branche ein gutes Jahr in einem weiterhin schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld.

Fast alle Produktgruppen erscheinen im Jahr 2024 im Plus. Die vom Bonner Branchenverband ausgewiesene Absatzmenge im Reifenersatzgeschäft umfasst die Verkäufe in den beiden Marktsegmenten Consumer-Reifen und Lkw-Reifen, von denen die sogenannten Consumer-Reifen den Löwenanteil ausmachen. Der Absatz von gut 45 Millionen Reifen für Pkw und Transporter entspricht laut BRV fast 95 Prozent der gesamten Verkaufsmenge 2024. Die restlichen gut 5 Prozent Mengenabsatz (2,47 Millionen Stück) entfielen auf Lkw-Reifen. Gegenüber 2023 nahm mit diesen Verkaufsmengen der Absatz im Consumer-Segment im Schnitt um 7,1 Prozent und im Lkw-Segment um 1,5 Prozent zu. Bricht man die beiden Marktsegmente weiter auf Produktgruppen herunter, so zeigt sich, dass 2024 alle mit Ausnahme von Sommerreifen im Segment Consumer und der runderneuerten Reifen im Segment Lkw gegenüber dem Vorjahr mengenmäßig zugelegt haben.

BRV-Versammlung_2024
Die jährliche BRV-Mitgliederversammlung ist ein exakter Seismograph für die Stimmung im nationalen Reifenhandel. Foto: Kay Lehmkuhl

Der BRV erhellt mit Zahlen die Sicht auf die Entwicklung und die Anteile der Produktgruppen: Pkw-Reifen machen mit knapp 41 Millionen Stück (+7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) gut neun Zehntel des Mengenabsatzes im Consumer-Segment aus. Fast 4,1 Millionen Stück verkaufte Llkw-Reifen (+5 Prozent) entsprechen knapp dem restlichen Zehntel. Der Mengenzuwachs in beiden Produktgruppen war 2024 von Ganzjahresreifen getragen, deren zweistellige Zuwachsraten beim Absatz (Pkw +17 Prozent, Llkw +12,3 Prozent) deutlicher als bisher zu Lasten von Sommerreifen gingen (Pkw -1,9 Prozent, Llkw -1,6 Prozent Llkw). Reine Winterreifen konnten in der Produktgruppe Pkw-Reifen um 6,4 Prozent zulegen, im Transportersegment blieb die Absatzmenge an Winterreifen mit einem minimalen Plus von 0,3 Prozent auf Vorjahresniveau.

Der Anteil der Ganzjahresreifen an der Absatzmenge im Consumer-Segment ist also erneut gestiegen und liegt nach Angaben des BRV jetzt bei knapp 36 Prozent (2023: gut 33 Prozent). Winterreifen machen 38 Prozent der Absatzmenge 2024 aus (2023: 38,5 Prozent), Sommerreifen knapp über 26 Prozent (2023: 28,5 Prozent). Gründe für den weiteren deutlichen Zuwachs bei Ganzjahresreifen sieht der Branchenfachverband hauptsächlich in der klimatischen Entwicklung zu wärmeren und schneeärmeren Wintern und in den inflationsbedingt geschrumpften Konsumbudgets der Verbraucher. „Im Verzicht auf einen zweiten Reifensatz und die saisonale Umrüstung sehen viele Autofahrer große Sparpotenziale. Diese sind zwar meist geringer als erwartet, weil Ganzjahresreifen im Vergleich zum kombinierten Einsatz von Sommer- und Winterreifen in der Regel eine geringere Laufleistung haben und – anders als vielfach vermutet – für den dauerhaft sicheren Einsatz auch der Wartung und Pflege bedürfen. Trotzdem gibt der Sparwille oft den Ausschlag für die Kaufentscheidung“, so BRV-Technik-Geschäftsführer Schwämmlein. Und so halte der Siegeszug der „Allrounder“ seit 2016, dem Jahr, in dem Ganzjahresreifen erstmals explizit in der Marktstatistik ausgewiesen wurden, ununterbrochen an. Zum Vergleich fügt der Branchenverband an: 2016 verteilte sich die Verkaufsmenge im Consumer-Segment noch auf etwa 50 Prozent Winterreifen, circa 36 Prozent Sommerreifen und knapp 14 Prozent Ganzjahresreifen.

Nur noch jeder vierte verkaufte Lkw-Reifen ist runderneuert

Im Segment Lkw-Reifen zeigt sich bei den beiden Produktgruppen Neureifen und runderneuerte Reifen eine gegenläufige Entwicklung: Während der Absatz von Neureifen 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent auf knapp 1,84 Millionen Stück zunahm, stellte der Verkauf von 0,63 Millionen runderneuerten Lkw-Reifen einen Rückgang von 4,8 Prozent gegenüber 2023 dar. Damit hat sich das Verhältnis weiter zugunsten von Neureifen verschoben und nur noch etwa jeder vierte verkaufte Lkw-Reifen ist runderneuert, während der Absatzanteil im Vorjahr noch bei gut 27 Prozent lag. Der Branchenverband betont in diesem Kontext die Chancen der Runderneuerung: Mit deutlich verringertem Rohstoffverbrauch und CO2-Ausstoß im Vergleich zur Neureifenproduktion sei die Reifenrunderneuerung ein Paradebeispiel für funktionierende Kreislaufwirtschaft.

Lkw-reifen_china
Der Absatz von Lkw-Neureifen in 2024 legte im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent zu. Foto: Kay Lehmkuhl

Zu den Fahrzeugsegmenten Motorrad, landwirtschaftliche Maschinen (AS-Reifen) und Erdbewegungsmaschinen (Baustellen- und Minenfahrzeuge, EM-Reifen) veröffentlicht der Branchenverband aufgrund der diffusen Datenlage seit 2023 keine Absatzzahlen im Reifenersatzgeschäft mehr. Mit einem zuletzt ausgewiesenen Anteil von zusammen etwa vier Prozent der gesamten Reifenverkaufsmenge stellen diese Produktgruppen laut BRV eine Marktnische dar und spielen für die Absatzentwicklung im Gesamtmarkt deshalb nur eine marginale Rolle.

Für 2025 rechnet der BRV nicht mit einem weiteren nennenswerten Zuwachs. In einem aufgrund des hohen Fahrzeugbestandes weitgehend gesättigten Reifenersatzmarkt, der zudem von der anhaltend schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage geprägt sei, wäre bereits der Erhalt des Erreichten schon als Erfolg zu werten. In seiner Prognose geht der Verband für das Segment Consumer-Reifen von Stagnation aus (Consumer gesamt: -0,1 Prozent, Pkw/4x4: -0,2 Prozent, Llkw: 0,0 Prozent), für das Lkw-Segment erwarten die Branchenexperten in beiden Produktgruppen ein leichtes Wachstum (Lkw neu: +1,1 Prozent, runderneuert: +1,6 Prozent, Durchschnitt: +1,2 Prozent).

Die größten Zuwachspotenziale sieht der Branchenverband erneut im Consumer-Segment bei den Ganzjahresreifen, wenn auch mit im Schnitt prognostizierten 8,1 Prozent Plus nicht mehr zweistellig. Echte Wachstumsimpulse werden daraus aber nicht erwartet, sondern lediglich eine weitere Verschiebung der Marktanteile innerhalb der Produktgruppen – erneut zugunsten von Ganzjahresreifen, in diesem Jahr aber stärker zu Lasten von Winter- als von Sommerreifen. „Die 2024 gestiegene Nachfrage nach Winterreifen führen wir auf einen vorwiegend gesetzlich bedingten Kaufimpuls zurück“, erklärt dazu BRV-Experte Michael Schwämmlein, „denn seit Oktober letzten Jahres gelten nur noch mit dem sogenannten Schneeflockensymbol gekennzeichnete Reifen gesetzlich als Winterreifen.“ Viele Fahrzeugbesitzer dürften daher letztes Jahr ihre nur mit der bis dato auch noch zulässigen M+S-Kennung versehenen Winterreifen trotz noch vorhandener Profilreserven gegen Neureifen mit der neuen Kennzeichnung ausgetauscht haben. Für den kommenden Winter rechnet der Verband aufgrund dieses „Vorzieh-Effektes“ deshalb mit einem Rückgang der Nachfrage.

Reifenhandel bleibt stärkster Absatzkanal

Im Marktsegment Lkw-Reifen dominiert traditionell der spezialisierte Reifenfachhandel das Geschäft. Sein Absatzanteil liegt der aktuellen BRV-Distributionsanalyse zufolge stabil bei 90 Prozent, der Rest entfällt zu gleichen Teilen auf die beiden Distributionskanäle Autohäuser/markengebundene Kfz-Werkstätten und freie Kfz-Werkstätten. Im Fahrzeugsegment Pkw lassen sich zwischen Reifenfachhandel und freien Kfz-Werkstätten keine klaren Grenzen mehr ziehen, weshalb der BRV in seiner Distributionsanalyse für die Produktgruppe Pkw-Reifen beide zusammengenommen als einen Vertriebskanal ausweist. Seinen auch in diesem Produktsegment führenden Absatzanteil konnte dieser Kanal im vergangenen Jahr auf 71,3 Prozent (2023: 69,5 Prozent) weiter ausbauen. Autohäuser und markengebundene Werkstätten realisierten 19,8 Prozent Anteil und büßten im Vergleich zum Vorjahr 0,4 Prozentpunkte ein, Fachmärkte (3,4 Prozent des Pkw-Reifenabsatzes, 2023: 3,6 Prozent) und der B2C-Onlinehandel (5,5 Prozent, 2023: 6,7 Prozent) haben ebenfalls zugunsten des Reifenfachhandels verloren.

BRV_Team
Die Bonner BRV-Mannschaft wirkt im Interesse des deutschen Reifenfachhandels. Foto: Kay Lehmkuhl

Steigerung des Gesamt-Rohertrags von 9,6 Prozent

Die durchschnittlichen Kostensteigerungen im Jahr 2024 betrugen 8,3 Prozent bei Personal- und 2,7 Prozent bei Raumkosten – dennoch konnten die Unternehmen der deutschen Reifenhandels- und -servicebranche 2024 positive betriebswirtschaftliche Ergebnisse erwirtschaften. Die aktuelle Auswertung des BRV-Jahresbetriebsvergleichs 2024 für den Reifenfachhandel zeigt über alle Betriebstypen hinweg ein durchschnittliches Umsatzplus von 5,9 Prozent und eine Steigerung des Gesamt-Rohertrags von 9,6 Prozent. Die Rendite für das Gesamtjahr liegt im Durchschnitt der Branche bei 1,4 Prozent vom Umsatz (2023: 0,4 Prozent). Klassische, nicht-filialisierte Reifenhandelsbetriebe lagen mit 4,6 Prozent Umsatzrendite weit über dem Branchenschnitt und leicht über Vorjahr. „Diese Ergebnisse zeigen uns, dass die Unternehmen der Reifenservicebranche in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld umsichtig agiert und Renditechancen genutzt haben. Genau das muss auch weiterhin die Strategie in einem Markt sein, der wie das Reifenersatzgeschäft mengenmäßig weitgehend gesättigt ist“, so BRV-Geschäftsführer Yorick M. Lowin abschließend.

Ähnliche Artikel

Winterreifen
04.09.2025, 12:20 5 Min.
Koreanische Reifenhersteller auf der Überholspur
Winterreifenmarkt
Konrad Adenauer Saal
10.06.2024, 14:15 5 Min.
“Gegenseitige Unterstützung und der Austausch sind entscheidend”
BRV-Mitgliederversammlung 2024
Motorrad_Reifenmarkt
20.01.2024, 07:29 4 Min.
Profilierungschancen und verlässliche Erträge
Ersatzmarkt Motorradreifen
04.12.2025, 10:01 1 Min.
Konsolidierungsbewegungen im Reifenmarkt
Patrick von Herz zu Übernahmen