Marken wie BYD, MG, Maxus, Lynk & Co oder Dongfeng sind in Europa zunehmend häufiger anzutreffen. Auch wenn die Zulassungszahlen bei dem einen oder anderen Hersteller noch nicht in dem vom Management gewünschten Maße steigen, kann die Infrastruktur der Ersatzteilversorgung vielfach nicht mit der raschen Entwicklung mithalten. Um der mangelnden Verfügbarkeit sowie der Lieferkettenproblematik zu begegnen, setzen die Autohelden und Dragonparts vor Ort in China an: Verschleiß- und Karosserieteile wie auch Wartungs- und Inspektionspakete werden unmittelbar bei den dortigen Herstellern und Großhändlern geordert und nach Deutschland gebracht.
Herr Wicke, wie kam die Spezialisierung auf chinesische Marken zustande?
Christoph Wicke: Aufgrund unserer langjährigen Zusammenarbeit mit diversen chinesischen Herstellern im Automobilsektor hörten wir immer öfter von Lieferengpässen, Schwierigkeiten bei der Identifizierung der benötigten Teile, weil es keine einheitliche Datenbasis gibt/gab, und nicht existenten Zentrallagern, sodass eine belastbare Logistik auf sich warten ließ. Also nahmen wir uns des Themas an und entwickelten die notwendigen Kontakte und eine eigene schnelle Lieferkette. Mit unserem Netzwerk sind wir nun ein verlässlicher Partner – gerade für die ‚Chinesen‘.
Welche Teile sind aktuell am stärksten gefragt?
Christoph Wicke: Alle gängigen Verschleiß- und Inspektionsteile.
Wie stellen Sie Verfügbarkeit und Lieferfähigkeit sicher?
Christoph Wicke: Wir arbeiten mit mehreren Kooperationspartnern in China zusammen. So ist eine generelle Verfügbarkeit der chinesischen Originalersatzteile sichergestellt. Die Lieferungen nach Deutschland erfolgen bei uns über die Schiene. Das spart zwei bis drei Wochen gegenüber dem Seeweg und damit wertvolle Zeit bei unseren Kunden. Sogar Expresslieferungen bieten wir gegen einen kleinen Aufpreis an. Wenn’s ganz schnell gehen soll, sind die Teile binnen sieben bis zehn Tagen mit dem Flieger da.
Mit welchen Herausforderungen haben Sie aktuell zu tun?
Christoph Wicke: Derzeit konzentrieren wir uns intensiv auf den Aufbau einer smarten Lagerlogik und die Identifikation der spezifischen Bedarfe unserer Kunden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt darin, eigenständig attraktive Bundles zu schnüren – beispielsweise für Inspektionen. Diese strategischen Entwicklungen helfen uns, den steigenden Anforderungen des Marktes optimal zu begegnen.
Gibt es Marken, bei denen der Ersatzteilservice aus Ihrer Sicht besonders gut funktioniert?
Christoph Wicke: Bisher leider nicht – zumindest nicht in Europa. Das ist ja der Grund, warum wir uns des Problems angenommen haben und es nun gelöst haben. Darauf sind wir auch durchaus stolz.
Wie gehen Sie mit Sonderfällen um, wenn etwa ein Teil nicht in Ihrem Katalog gelistet ist?
Christoph Wicke: Wir definieren Sonderfälle als unsere Chance, den Unterschied zu machen. Wenn ein Teil nicht in unserem umfangreichen Katalog zu finden ist, übernehmen wir die Recherche direkt in China vor Ort, bis wir das passende Teil für unseren Kunden finden. Dieses Teil wird dann in unser Portfolio aufgenommen, sodass wir künftig noch besser auf seltene Anfragen reagieren können.
Welches Potenzial sehen Sie für den Bereich in den kommenden Jahren? In welche Richtung wollen Sie Ihr Angebot anpassen/erweitern?
Christoph Wicke: 2022 lag der Marktanteil chinesischer Hersteller in Deutschland noch bei 0,86 Prozent, 2023 waren es bereits 1,18 Prozent. In Europa gesamt erreichen die Modelle aus China schon einen Marktanteil von fünf Prozent und in Norwegen alleine sind es schon zehn Prozent, Tendenz weiterhin stark steigend. Wachstum um mehr als das Fünffache in drei Jahren!
Stand jetzt gehen wir nicht davon aus, dass sich diese Entwicklung schnell wieder umkehren wird, sondern dass auch europäische Autofahrer feststellen, dass chinesische E-Autos verlässlich sind und mit tollem Preis-Leistungsverhältnis daherkommen. Da viele Autohäuser sich bisher schwertaten, die ‚Chinesen‘ in den Bestand aufzunehmen – aufgrund der Ersatzteilversorgungslage – nehmen wir nun Hürden weg. Wir liefern! Grundsätzlich orientieren wir uns am Markt. Was ist lieferbar? Was benötigen unsere Partner? Uns erreichen Anfragen aus ganz Europa, nicht nur vom Markenhandel, auch Teile-Großhändler fragen aktiv bei uns an – es gibt noch viel zu tun.
Inwiefern beeinträchtigen die aktuellen Zölle Ihr Geschäft?
Christoph Wicke: Die Strafzölle beschränken sich bisher auf E-Autos, die aus China importiert werden, Kfz-Zubehör und Ersatzteile sind davon nicht betroffen. Wie sehr die Preise für Autos aus China steigen werden und in welchem Umfang die höheren Kosten an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden, ist noch nicht absehbar. Ab 2026 planen die ersten chinesischen Hersteller ihre E-Autos in Europa zu produzieren, wir werden dann sehen, ob es dann noch bei den Strafzöllen bleibt. Und wie sie den Nachschub an Teilen bewerkstelligen wollen, ist auch noch völlig unklar.