Die AutoZum am Stammtermin im Januar hatte es zuletzt vor sechs Jahren gegeben. Nach mehrmaliger Corona-bedingter Verschiebung hatte die Messe dann im Sommer 2023 nochmals ihre Türen geöffnet und immerhin 11.636 Besucherinnen und Besucher nach Salzburg gelockt. Dass damit nur knapp die Hälfte des Vor-Corona-Niveaus (2019: 23.747) erreicht wurde, trug mit zum verhaltenen Fazit des damaligen Ausrichters RX Austria & Germany: „Die AutoZum 2023 war eine wichtige Veranstaltung für das Kfz-Gewerbe, das vor großen Veränderungen steht. Allerdings hat sich gezeigt, dass der Juni-Termin in diesem Jahr für die Branche nicht optimal war“, konstatierte CEO Benedikt Binder-Krieglstein vor nunmehr anderthalb Jahren. In der finalen Bewertung kamen die Verantwortlichen anschließend gar zum Schluss, die Rolle als Veranstalter der AutoZum abzugeben und sich auf andere Projekte zu konzentrieren.
So trat in diesem Jahr das Messezentrum Salzburg erstmals als Ausrichter der AutoZum an und stellte eine solide Messe auf die Beine. Rund 160 Aussteller stehen für dieses Jahr in der Bilanz, während es zur Sommerausgabe 2023 201 Aussteller waren. 2019 hatten sich noch 272 Unternehmen und Marken zu der After-Sales-Messe angemeldet. Damit muss sich auch die AutoZum einer Tatsache stellen, die diverse Fachmessen gleichermaßen fordert: Seit Corona werden Messeauftritte noch strikter nach ihrem Kosten-Nutzen-Verhältnis beurteilt. Speziell mit Blick auf Österreich hatte RX sein Ausscheiden als AutoZum-Veranstalter mit der langsamer als erwarteten Erholung des österreichischen Marktes begründet. Damit hat nun offenbar auch das Messezentrum Salzburg zu kämpfen, kann jedoch zumindest mit Blick auf den Publikumszuspruch den Trend gegenüber der Sommer-Edition umkehren.
Jenseits messbarer Zahlen spielt auch ein gut kuratiertes Fach- und Rahmenprogramm für das Profil und die Relevanz einer Messe eine durchaus wichtige Rolle. Dass die AutoZum-Veranstalter mit Vorträgen und Diskussionen zu Themen wie Digitalisierung und Elektromobilität durchaus das Interesse des Publikums trafen, zeigten die größtenteils voll besetzten Stuhlreihen. Auch aus diesem Grund resümiert Alexander Kribus, Geschäftsführer des Messezentrum Salzburg: „Die erste Auflage der AutoZum unter der Führung des Messezentrum Salzburgs war ein voller Erfolg. Mit diesem tollen Ergebnis freuen wir uns, schon jetzt den Termin für die nächste AutoZum vom 19. bis 22. Januar 2027 bekanntgeben zu dürfen.“
Geteilte Messepräsenzen in XXL
Das bereits erwähnte Kosten-Nutzen-Verhältnis zeigte sich Ausstellerseitig auch an der Vielzahl kombinierter Messeauftritte. Viele Marken entschieden sich gegen einen eigenen Messestand, um stattdessen in kompakter Form auf den Standflächen namhafter Branchenakteure vertreten zu sein. Mit nahezu 1.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche hatte LKQ Stahlgruber die größte Präsenz gebucht und zeigte dort seine Lösungen für die Remote-Diagnose sowie das neue Kundenportal Stakis 4.0. Zudem feierte das Emotive-Portfolio seine Österreich-Premiere. Als Teil des Stahlgruber-Auftritts sicherten sich Marken wie ZF Aftermarket, Corghi, Exide und Cemb eine zumindest kleine AutoZum-Präsenz. Ähnlich verhielt es sich auch beim Teilegroßhändler Birner – unter anderem mit Mann-Filter, Nissens und Petronas – sowie beim Ausrüster Kastner, unter dessen Dach sich etwa Rowe, Herth+Buss und Sonax präsentierten.
Mit Blick auf diesen Trend zu Gemeinschaftsständen sicherten sich die Unternehmen, die mit einem eigenen Stand in Salzburg zugegen waren, eine ungleich höhere Aufmerksamkeit. Im Bereich der Schmierstoff-Spezialisten traf das auf Liqui Moly zu, die zwar auch mit Stahlgruber und Kastner gemeinsame Sache machten, ihr vielfältiges Sortiment unabhängig davon jedoch auch in Eigenregie präsentierten. Das Ulmer Unternehmen bearbeitet den österreichischen Markt mit einem eigenen Sales-Team, weshalb die Messe als regionale Kontakt- und Kommunikationsplattform ein wichtiger Termin im Kalender ist. Zudem wird das eigene Sortiment zunehmend kleinteiliger, wie Tobias Gerstlauer, Head of Media Relations, im Gespräch mit der Redaktion berichtet. Dabei bleibt für Liqui Moly das Autogeschäft nach wie vor am bedeutendsten, doch insbesondere der Zweiradbereich hat sich in der jüngeren Vergangenheit sehr positiv entwickelt. Gerstlauer führt das auch auf die umfangreichen Sponsoring-Aktivitäten in diesem Segment – Liqui Moly ist Schmierstoffpartner der Moto2 und der Moto3 und bei der MotoGP zudem auf Werbebanden präsent – zurück. Highlights am Liqui-Moly-Stand waren unter anderem die bereits auf der Automechanika 2024 präsentierten Lösungen Bag-in-Box sowie Jet Clean Tronic III.
Ebenfalls eine für Werkstätten bereits von der vergangenen Automechanika bekannte Lösung präsentierte die Emka Schmiertechnik GmbH in Salzburg. Nachdem das Umweltkonzept „Der grüne Pakt“ in Deutschland laut CEO Rüdiger Fischer sehr gut angelaufen ist, wurde der Service mit Beginn des Jahres auch in Österreich ausgerollt. Auch über den bereits in Frankfurt thematisierten Ausbau der Adblue-Produktion sowie neue Kombiprodukte, die die Anforderungen verschiedener Automobilhersteller abdecken, informierten die Verantwortlichen. „Wir sind hier, um unseren Marktanteil in Österreich auszubauen und neue Partner zu generieren”, brachte Fischer die Emka-Zielsetzung für die AutoZum auf den Punkt. Daher auch der bewusste Auftritt mit einem eigenen Stand, der mehr Flexibilität ermögliche.
Überschaubare Reifenpräsenz
Im Reifenbereich sicherte sich wiederum die Marke Falken ein Maximum an Aufmerksamkeit. Als einziger größerer Reifenakteur präsentierte sich die zum Sumitomo-Konzern gehörende Marke an einem gänzlich eigenen Stand. Auf über 100 Quadratmeter Ausstellungsfläche waren gleich zwölf aktuelle Falken-Profile zu sehen, darunter der UUHP-Reifen Azenis RS820 oder auch der rollwiderstandsoptimierte e.Ziex. „Die AutoZum bietet uns die ideale Plattform, um direkt mit unseren Kunden und Partnern in Kontakt zu treten, neueste Innovationen vorzustellen und wertvolles Feedback aus erster Hand zu erhalten“, erläuterte Günther Riepl, Senior Sales Director Central-East Europe bei der Falken Tyre Europe GmbH, die Teilnahme.
Über seinen Handelspartner Reifen Straub und dessen Stand war auch der Hersteller Linglong in Salzburg vertreten. Besonders im Fokus stand dabei die Master-Serie der Chinesen, die bereits im vergangenen Jahr verschiedene Erweiterungen erfuhr und die 2025 nochmals ausgebaut werden soll. In ähnlicher Manier präsentierte sich auch die türkische Marke Petlas, die gemeinsam mit ihrem Distributor für Österreich, dem WRZ Reifenzentrum, auf der AutoZum zugegen war. Im Gespräch mit Automotive Insights berichtete WRZ-Geschäftsführer Asar Murat von einem „super ersten Tag”, bei dem vor allem auch die Qualität der Besucherinnen und Besucher am Stand gestimmt habe. Reifen gab es ferner bei der Marke Tomket sowie am Stand von Interpneu zu sehen. Die Karlsruher Handelsgröße hatte gleich drei neue Modelle ihrer Eigenmarke Platin im Messegepäck. Als Nachfolger der Exemplare RP320, RP420 und RP520 Van rollen der RP330 Summer, der RP430 Summer und der RP530 Van Summer noch in diesem Frühjahr in den Markt.
Neue Servicekonzepte für den Handel
Die ungleich wichtigere Neuheit, die die Interpneu-Verantwortlichen in Salzburg zu verkünden hatten, war jedoch die, dass das Reifen1+-Konzept nun auch nach Österreich kommt. Zu den ersten sieben bereits unter Vertrag stehenden Betrieben sollen in Kürze weitere hinzukommen, wenngleich das System auch in der Alpenrepublik nach der Devise „Qualität vor Quantität” ausgebaut werden soll. Überzeugen will man vor allem mit Flexibilität, wie Andreas Burk, Leiter des Partnersystems, betont: „Reifen1+ wird für jeden Partner individuell gestaltet von den Bausteinen her.” Mit einem „Zweimarkenauftritt” war zudem der E-Commerce-Spezialist Alzura in Salzburg am Start. Dieser Auftritt bestand aus dem B2B-Marktplatz des Unternehmens – inzwischen seit 15 Jahren in Österreich aktiv – sowie der Komplettlösung eBusiness Software, die nach ihrem Debüt auf The Tire Cologne 2024 nun auch ihre Premiere in Österreich feierte.
Mit einem neuen Angebot adressiert ferner auch die Teilehandelskooperation Carat seit Beginn des Jahres österreichische Werkstattbetriebe. Dabei handelt es sich um die in Zusammenarbeit mit Topmotive aufgesetzte Lösung Drivemotive, die digitalisierte und vernetzte – und damit effizientere – Werkstattprozesse ermöglichen soll. Für die Marktbearbeitung in Österreich setzt Carat auf eine enge Kooperation mit Birner. Der Teilegroßhändler und Carat-Gesellschafter ist einer der Platzhirsche in Österreich und unterstrich diese Stellung auch mit seinem AutoZum-Auftritt in XXL. Zu den zahlreichen unter dem Birner-Dach präsenten Marken zählte auch die Carat. „Die AutoZum 2025 war für uns eine großartige Plattform, um unsere Produkte und Partnerschaften einem breiten Publikum zu präsentieren. Wir freuen uns über die positive Resonanz und darauf, auch in Zukunft gemeinsam mit unseren Partnern erfolgreich aufzutreten“, berichtet Carat-Geschäftsführer Christian Gabler. Franz Lettner, Geschäftsführer von Birner, ergänzt: „Die Zusammenarbeit mit der Carat und unser gemeinsamer Auftritt auf der diesjährigen AutoZum unterstreichen die strategische Partnerschaft, die uns verbindet. Es ist uns ein großes Anliegen, diese Kooperation weiter auszubauen, um unseren Kunden ein starkes Produktsortiment zu bieten.”
Als „eine Begegnungsstätte für die Branche und die Industrie” sollte der Stand einer weiteren Handelsgröße dienen. So zumindest beschrieb Key Account Manager Oliver Turisser den Ansatz von point S respektive der Reifen Partner GmbH gegenüber Automotive Insights. Mit Blick auf aktuelle und künftige Herausforderungen sei seinen Ausführungen zufolge „miteinander statt gegeneinander” ein lohnenderer Ansatz. Diesem Gedanken entsprechend waren die Reifenmarken Apollo Vredestein, Hankook, Nokian Tyres und Yokohama am point-S-Stand vertreten. Gleiches dürfte auch für die Kooperation von point S und dem Netzwerk Driver auf dem österreichischen Markt gelten, zu der die Verantwortlichen jedoch nicht näher ins Detail gehen wollten. Das Driver-Logo war jedoch durchaus prominent am point-S-Stand platziert.
Vielfältiger Aftermarket
Über Neuerungen in eigener Sache informierte in Salzburg auch eine ganze Reihe weiterer Unternehmen. Der Zulieferer Brembo zeigte mit dem Greenance-Kit sowie dem EV-Kit zwei bekannte Lösungen aus dem eigenen Bremsenportfolio. Damit verbunden war nach Aussage der Verantwortlichen auch das Ziel einer größeren Bekanntheit im Aftermarket. Die KW automotive Gruppe wiederum präsentierte einen Ausschnitt aus ihrem Fahrwerk-Programm und rückte zudem BBS-Räder und das zugehörige „Unlimited”-Programm in den Fokus. Gleich drei neue Felgen – namentlich die Designs C36, C37 und C38 – waren bei CMS zu sehen. Der Räderhersteller nutzte die AutoZum laut Sales Manager Michael Wegener, um sich gezielt auf einem „Umrüstmarkt” zu präsentieren.
Ein überaus wichtiger Markt ist Österreich auch für den Schneeketten-Spezialisten pewag, dessen Messeneuheiten sich insbesondere auf den digitalen Bereich konzentrierten. Seit wenigen Wochen ist die überarbeitete Webseite des Unternehmens online, die unter anderem mit einer vereinfachten Produktsuche überzeugen soll. In eine ähnliche Richtung zielte auch der Auftritt der Experten von RTS, die ihre cloud-basierte Software „Tire Information Management (TIM)“ vorstellten. Auch ein Ausblick auf Neuerungen im Bereich Nutzfahrzeug-RDKS war bei dem Unternehmen aus Vettweiß Thema. Mit ihrem bekannt breiten Sortiment von Radsicherungen bis Auswuchtwerkzeug war auch die Niso Tech GmbH in Salzburg vertreten.
Fazit und Ausblick
Den rückläufigen Ausstellerzuspruch sowie die im Vergleich zu 2019 niedrigere Zahl an Besucherinnen und Besuchern wollte kaum jemand als Beleg für eine geringere Relevanz der AutoZum gelten lassen. Klar ist nämlich auch hier: Qualität kann weniger Quantität durchaus wettmachen. Bernhard Kreici, Divisionsleiter Automotive Würth Handelsges.m.b.H., bilanziert: „Dank des neuen Messekonzepts und des engagierten Teams konnte die AutoZum ihren Status als Branchenplattform behaupten. Die wertvollen Gespräche mit einem fachkundigen Publikum haben uns gezeigt, dass die Messe weiterhin eine Schlüsselrolle für den Austausch und die Weiterentwicklung der gesamten Branche spielt“
Dass die Sommerausgabe 2023 die Branche nicht vollends überzeugen konnte, gestanden viele Akteure dem Event nach den mehrfachen Corona-Verschiebungen zu. An die jüngste Ausgabe zum regulären Termin wurden jedoch entsprechend höhere Maßstäbe angelegt. Ob die Zahlen und persönlichen Eindrücke überzeugend genug sind, um eine erneute Teilnahme 2027 zu befürworten, wird sich zeigen. In qualitativer Hinsicht stimmt die Richtung. Parallel dazu werden die Verantwortlichen vom Messezentrum Salzburg daran arbeiten, sich mit Blick auf Aussteller- und Gästezahlen möglichst wieder an das Vor-Corona-Niveau anzunähern. James Tannant, Vorsitzender des Verbands der Reifenspezialisten Österreichs, blickt voraus: „Ich bin sehr zufrieden, dass die AutoZum wiederbelebt wurde. Der Termin im Jänner ist ausgezeichnet. Jetzt geht es darum, dass die Industrie diese Plattform noch weiter unterstützt.“